7 Sünden im FM – Teil 4

(6) Kick-backs auf Kosten Auftraggeber

Thema: FM-Dienstleister nimmt von Firmen, die er beauftragt, Geld

Was ist zulässig?: Rückvergütungen im Einkauf, z.B. bei Erreichen einer Umsatzschwelle, wenn es sich bei den Rückvergütungen gewährenden Firmen um Subunternehmen handelt, die der FM-Dienstleister im eigenen Namen und auf eigene Rechnung beauftragt  →  firmeninterne Angelegenheit des FM-Dienstleisters

Was ist verboten?: Rückvergütungen von Firmen, die der FM-Dienstleister im Namen und auf Rechnung seines Auftraggebers beauftragt  →  Form der Korruption, Fall für den Staatsanwalt

Denkbar : FM-Dienstleister hat aus der Zeit bevor er beauftragt wurde, (Rahmen)Einkaufsvertrag mit Lieferanten mit Rückvergütungsklausel. Wird die Einkaufsleistung an den FM-Auftraggeber aus diesem historischen Vertragsverhältnis weiterberechnet, wäre dies nur in zwei Fällen nicht zum Schaden des FM-Auftraggebers:

§  Rückvergütung wird an FM-Auftraggeber vollumfänglich weitergereicht, etwaige mit dem Auftraggeber vereinbarte wertabhängige Handlingsfee des FM-Dienstleisters wird anhand der final reduzierten Preise berechnet

§  FM-Auftraggeber kommt über den einkaufenden FM-Dienstleister in den Genuss von Konditionen mit dem Lieferant, die der FM-Auftraggeber mit seinem Auftragsvolumen alleine nicht erzielen könnte: Das Einkaufsvolumen des FM-Dienstleisters bei einem Lieferanten setzt sich aus Mandaten mehrerer Auftraggeber zusammen, wobei jedes einzelne Mandat für sich so klein wäre, dass nur auf dieses bezogen die Preise wegen geringem Volumen höher wären, als die über die in Folge des Großeinkaufs weiterberechneten Preise.

Für beide Fälle gilt:

§  Der FM-Dienstleister muss diese Grundlagen von sich aus vorab seinem Auftraggeber offenlegen und diesem anheimstellen, den Lieferanten abzulehnen.

§  Der FM-Dienstleister muss stets den wirtschaftlichsten Lieferanten für den Auftraggeber auswählen: Maßstab sind die Preise, die am Ende der FM-Auftraggeber zu zahlen hat. Rückvergütungen dürfen kein Auswahl- oder Zuschlagskriterium sein.

Tatsache: Kick-backs zu Lasten Auftraggeber  →  Vermögensschaden, Straftatbestand Untreue

Wertung: fast schon Todsünde 

Traurig: Ansichten, Kick-back sei ein Kavaliersdelikt, Korruption nicht so schlimm, und, zumindest im internationalen Wettbewerb, im Sinne unserer Wirtschaft

Nicht verstanden: Korruption im Kleinen führt zu Korruption im Großen, untergräbt Leistungsprinzipien, verhindert effektive Märkte und zerstört am Ende Volkswirtschaften und für eine Zivilgesellschaft notwendige Wertfundamente

Empfehlung 1: in FM-Verträgen festhalten, dass Kick-backs einschließlich jedem Versuch der Vorteilsnahme für Auftraggeber das Recht begründen, den FM-Dienstleister fristlos zu kündigen

Empfehlung 2: klare Kante bei Verstößen

Notwendig: Aufmerksamkeit gegenüber dem Thema bei FM-Auftraggebern, entsprechende Compliance-Regeln bei FM-Auftraggebern und FM-Dienstleistern, Whistleblower

Fortsetzung folgt …

Bisherige Blogposts aus dieser Serie:

Teil 1

(1) Unterschätzung kundensensibler Gewerke
(2) schmutziger Einkauf 

Teil 2

(3) „Audit“ und Highlander-Treffen – Qualitätssicherungskonzept mit Qualitätsdefiziten
(4) Immobilienclub: men only!

 Teil 3

(5)  Daten- und Systemhoheit nicht beim Auftraggeber

 

Hinterlassen Sie einen Kommentar...

Impressum