CREM – Teil 3: Herausforderung Energie, Carbon Footprint, Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit – in aller Munde und tatsächlich hochrelevant

Die Suche in Google liefert zum Begriff Nachhaltigkeit rund 15 Mio. Treffer. Vor zehn Jahren waren es kaum 100.000. Zu Sustainability sind es heute gar 125 Mio. Nachhaltigkeit und Sustainability haben damit zwar dem Sex noch nicht den Rang abgelaufen (3,3 Mrd. Google-Treffer), sind aber zentrales gesellschaftliches, politisches und wirtschaftliches Thema. Mit Recht: Ressourcenknappheit, Klimaerwärmung und aktuell in Deutschland die Energiewende verlangen Antworten.

Triebfeder des Wandels: Geschäftschancen und Anspruch Stake Holder

Die Relevanz ist eher selten unternehmerisch-ethischem Anspruch, sondern vor allem Kostendruck und steigenden Erwartungen der Stake Holder geschuldet. Zeugnisse dieser Bedeutung: Produktinnovationen, Nachhaltigkeitsberichte, Sustainability als Thema auf Unternehmenspressekonferenzen und selbstredend bei Imagekampagnen und im Marketing der Firmen – von „BlueMotion“ (Volkswagen) bis hin zu „Bekenntnis zur Nachhaltigkeit“ (Leitgrundsatz HOCHTIEF).

Top-Management prescht vor

Ziele zu Nachhaltigkeit, Energie und Carbon Footprint gibt vornehmlich das Topmanagement vor, z.B. im Rampenlicht der Jahreshauptversammlung. Eher selten sind die Vorgaben das Ergebnis umfangreicher Analysen, wie und wo was konkret optimiert werden kann. Häufig sind es mehr oder minder präzise, pauschale Commitments. Das ist gut so. Geschäftsbereiche und Abteilungen stehen in der Folge in der Verpflichtung, Lösungen zur operativen Umsetzung zu identifizieren: Ein dekompositioneller Ansatz, kein Hoffen auf Graswurzelrevolution.

Fokus im CREM häufig zu eng!

Auch Immobilienwirtschaft und CREM sind gefordert, ihren Beitrag zu Unternehmenszielen in Sachen Nachhaltigkeit zu leisten: Gebäude sind für ein Fünftel des CO2-Ausstoßes verantwortlich. Die Siedlungs- und Verkehrsfläche beträgt ca. 15 % der Gesamtfläche Deutschlands.

Worauf liegt im CREM heute in der Regel das Augenmerk?

  • Energieeinkauf (Beschaffungsperspektive)
  • energetische Optimierung von Gebäudehülle und Anlagentechnik (ingenieurstechnisch geprägte Projekte)
  • Entscheidungen für zertifizierte Gebäude, zumeist bei Verwaltungsstandorten (Flächeninvestition)

Das greift viel zu kurz.

Breites Betätigungsfeld, zahlreiche Stellhebel

Was muss für nachhaltige Lösungen beim Thema Nachhaltigkeit eigentlich betrachtet werden?

  • vollständige Ketten – Einkauf, Speicherung, Transport, Verteilung, Verbrauch, Entsorgung
  • Zusammenspiel Infrastruktur und Nutzung – also wechselseitige Einflüsse Sekundärprozess und Kerngeschäft
  • Nachhaltigkeit als Mitarbeiterthema – Verhalten (z.B. Reisen) und Betreuung (z.B. Gesundheit und Ernährung am Arbeitsplatz)

Die Nachhaltigkeitsstellhebel im CREM sind also zahlreich und umfassen so unterschiedliche Initiativen wie CO2-Bilanzierung, Downsizing, Anlagenzustandsanalysen, Betriebszeitenoptimierung, Informationsmanagement. Idealerweise werden diese komplementär in einem CREM-Rahmenkonzept Nachhaltigkeit und dieses wiederum in einem unternehmerischen Gesamtkonzept verzahnt.

Startblöcke gerade erst verlassen, Marathonstrecke vor uns …

Wir können nur managen, was wir kennen. Hier wird es schwierig. Beispiel Energie: Differenzierte Verbräuche, Verbrauchsverläufe und Zusammenhänge sind keineswegs vollständig transparent. Häufig fehlt es schon an einfachen Zählvorrichtungen, noch viel mehr an IT-gestützten Kennzahlen-, Analyse- und Steuerungssystemen. Zudem ist Energiecontrolling in der betriebswirtschaftlichen Forschung und Lehre und der betrieblichen Kosten- und Leistungsrechnungen ein sehr junges Thema. ITO-Modelle, Energiekostenrechnung etc. bilden sich gerade erst heraus.

Auch organisatorisch sind Ideallösungen noch zu entwickeln und Erfahrungen zu machen, z.B.:

  • Ist Energieeinkauf wirklich eine CREM-Aufgabe oder sollte dieser zur Ausschöpfung aller Skaleneffekte nicht konzernübergreifend organisiert sein?
  • Wie können HR und CREM für Mitarbeiterinitiativen bestmöglich zusammenwirken?
  • Und ganz operativ – können Facility Manager das ihnen in vielen Outsourcing-Verträgen übertragene Energiemanagement tatsächlich stemmen? Was sind die richtigen Vergütungsstrukturen? Wie ist Leistungsqualität zu steuern?

Das Positive an dieser unbestreitbar großen, komplexen Herausforderung für CREM ist: CREM kann sich profilieren und auch noch bei einem Thema, das Top Management-Attention genießt und darüber hinaus ökonomisch, ökologisch und sozial sinnvoll ist. Wo hat man das schon?!

Bisherige Blogposts aus dieser Serie:

CREM – Teil 1: aus den Kinderschuhen

CREM – Teil 2: Herausforderung Reparaturen und Instandsetzungen

 

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