CREM – Teil 5: für die Zukunft gewappnet?

Blick in den Spiegel und auf den Horizont

Wir haben zum CREM über dessen Kinderschuhe, Reparaturen und Instandsetzungen, Energie, Carbon Footprint, Nachhaltigkeit und Sicherheit geschrieben. Der Countdown für den Jahreswechsel ist jedoch zumeist Anlass, Geschehenes und Erreichtes Revue passieren zu lassen. Nachdem Vergangenheit nur mehr hingenommen werden kann, sind Ziele und Notwendigkeiten der spannendere Teil der Übung. In diesem Sinne soll ein Ausblick die CREM-Blogreihe abschließen. Jetzt steht 2013 quasi schon vor der Haustüre, auch sind in einem Jahr kaum Riesensprünge im Management von Unternehmensimmobilien zu erwarten. Sehen wir also in die weitere Zukunft. Nun sind Prognosen per Definition unsicher. Dennoch ist es weniger ein Blick in die Glaskugel als durch ein Fernrohr auf die Konsequenzen großer Entwicklungen unserer Zeit. Die Megatrends sind dabei hinreichend aufgezeigt, allein die Konsequenzen für das CREM nicht gezogen. Was kommt auf CREM zu? Was sind zu meisternde Herausforderungen?

1. Demographie: Fachkräftemangel, Bevölkerungsrückgang, Gleichberechtigung …

Längere Lebensarbeitszeit bedeutet mehr ältere Menschen im Erwerbsleben. Ein Betagter hat nicht nur andere Anforderungen an eine Wohnung, sondern eben auch an einen Arbeitsplatz als ein erstmalig in die Berufswelt eintretender Digital Native. Zudem – volkswirtschaftlich sinnvoll, ethisch geboten und fortschrittlich: Frauen steigen ein und auf, Männer auch mal aus. Familienfreundlichkeit, flexible Arbeitszeiten und -modelle sind gefragt. Auch dies hat unmittelbaren Einfluss auf Arbeitsplatzkonzepte. CREM wird all dem mit Services, Technik, Flächen und Logistik Rechnung tragen müssen.

2. Internationalisierung: Zuwanderung, internationale Teams …

Mitarbeiter aus fast aller Herren (und Damen) Länder, aber auch internationale Unternehmenspräsenzen verlangen Miteinander und Management unterschiedlicher Kulturen. CREM muss verstärkt entsprechende Kompetenzen entwickeln.

3. Digitalisierung: Vernetzung, Mobilität, Kommunikation, always online …

Dies betrifft alle Arbeitsformen: vom klassischen, fest zugeordneten Bürotisch über das Home Office bis hin zu Tätigkeiten unterwegs, mithin Leben und Arbeiten in Gänze. Der Vernetzungsgrad bei Mitarbeitern, Teams, Partnern, Zulieferern, Infrastruktur, Kanälen steigt weiter. Die Folge: Büros sind weniger ein fester Ort als Funktion. Grenzen von Unternehmen verlieren an Bedeutung, Firmen sind zunehmend weniger klar abgegrenzte Einheit an einem geographischen Ort. Weitere Trends: Bedeutungsverlust des eigenen Autos, vom Eigentum und Besitz zu On Demand generell, „bring your own technology“. Flächenpolitik im CREM wird an der Flexibilität gemessen werden. Reale und virtuelle Räume für Kommunikation, Kollaboration und Identitätsstiftung werden noch wichtiger. Damit einher steigen die Anforderungen an Sicherheit. Außerdem werden Webentwicklungen und Webinnovationen – Apps, Social Media, etc. – die Immobilienwirtschaft, ihre Prozesse und Strukturen massiv verändern (Stichwort disruptive industries). Intermediäre verlieren an Bedeutungen, Vorherrschaften gehen zu Ende, neue entstehen. CREM wird davon profitieren.

4. Nachhaltigkeit: Kostenthema, Imagefaktor …

Sustainability ist schon jetzt und immer weniger nur eine Frage von Energiekosten, sondern beinhaltet Ökologie, Ernährung und Ergonomie am Arbeitsplatz, im Gebäude und im Unternehmen gesamt. Für letzteres ist Nachhaltigkeit zunehmend eine Imagefrage und im Wettbewerb um die besten Kräfte und Talente erfolgsentscheidend. CREM wird eigene, sichtbare Beiträge liefern müssen.

Wohnanforderungen und Arbeitswelten ändern sich also grundlegend und rasant. Selbstverständlich, keine Neuigkeit und beinahe eine Binse. Die Übersetzung in Bau und Umbau von Immobilien und Räume als auch deren Bewirtschaftung ist die Kunst. CREM ist dabei in zweierlei Hinsicht betroffen: einerseits als Service Provider für Kerngeschäft, andererseits selbst, gilt es den Entwicklungen auch innerhalb des CREM Rechnung zu tragen.

Ändern sich Angebote und Aufstellung der Immobilienakteure ähnlich grundlegend und rasant? Tragen Projektentwickler, Property Companies, Facility Manager und nicht zuletzt CREM den genannten Entwicklungen bereits Rechnung? Ein klares Nein. Z.B. erklärte Roland Koch, Vorstandsvorsitzender von Bilfinger, jüngst, der Konzern solle „ein weltoffenes, von Frauen und Männern gemeinsam gelebtes Unternehmen werden.“ Und konstatierte zugleich, dass dahin noch ein gut Stück Weg sei. Keine Ausnahme, sondern die Regel in der Deutschland AG. Prekär jedoch vor dem Hintergrund, dass Bilfinger, einer der ganz großen Akteure im Bau-, Engineering- und Servicegeschäft, selbsterklärtermaßen zukunftsgerichtete Flächen- und Serviceprodukte offeriert. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Aber die Herausforderungen scheinen erkannt: Eine Umfrage unter den Teilnehmern der Veranstaltung immobilien.megatrends.GIPFELTREFFEN des immobilienmanager ergab, dass 90 % dem Work Place Management nachhaltigen Einfluss auf das Geschäft zuschreiben.

Klar ist, CREM muss sich verändern, um die notwendigen Lösungen und Wertbeiträge zu ermöglichen. Als heute organisatorisch meist noch im Finanzressort aufgehängte Subfunktion mit tendenziell eher reaktivem Charakter kann CREM nicht bestehen. CREM wird sich emanzipieren müssen, zum Work und Work Experience Enabler werden – also vom funktional isolierten Umsetzer von Vorgaben hin zum Gestalter mit eigenem Businessbeitrag. Es geht um nicht weniger, als die Förderung von Qualitätsempfinden und -voraussetzung sowie Zufriedenheit und Produktivität der Arbeitenden. Dies erfordert enge Verzahnung mit HR, IT und Finance. CoreNet Global spricht in der unlängst erschienen Studie Corporate Real Estate 2020 sogar von einem „Super Nucleus“: integriertem Relationshipmanagement der Supportfunktionen, bei dem Corporate Real Estate Leader weniger Fachspezialisten als Integrator, Accelerator, Change Agent und Stratege sind. Ein Blick in aktuelle CREM-Stellenanzeigen zeigt, wie weit klassisches CREM davon noch weg ist.

In diesem Sinne lassen Sie uns gemeinsam die Zukunft gestalten!

Frohes neues Jahr, Happy New Year, bonne année, buon anno, feliz año nuevo, с новым годом!

 

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