Die BGV A3 und ihre Tücken

Der Gesetzgeber schreibt die Prüfung ortsveränderlicher und ortsfester elektrischer Betriebsmittel vor. Elektrische Betriebsmittel im Sinne der Unfallverhütungsvorschrift sind u. a. alle Gegenstände, die dem Anwenden elektrischer Energie dienen (z.B. zum Erzeugen, Fortleiten, Verteilen, Speichern, Messen, Umsetzen und Verbrauchen). Abkürzen kann man vorgenannte Begriffsdefinition aus der Unfallverhütungsvorschrift mit: „Nahezu alles was einen Stecker hat, muss geprüft werden.“

Bekanntes Terrain bei ortveränderlichen Betriebsmitteln

Von vielen Unternehmen werden ortsveränderliche Betriebsmittel wie beispielsweise Netzteile von Notebooks und Beamern, Telefone oder etwa Mehrfachsteckdosen, ordnungsgemäß geprüft. Andere ortsveränderliche Anlagen, die in der Vergangenheit aus Privatbeständen mit an den Arbeitsplatz mitgebracht wurden, wie beispielsweise Kaffeemaschinen oder Wasserkocher, sind aufgrund unternehmensweiter Verbote aus den meisten Büroflächen verschwunden. Im Bereich der ortsveränderlichen Betriebsmittel scheinen die meisten Unternehmen auf der sicheren Seite zu sein.

Die große „Lücke“ im Bereich der ortsfesten Betriebsmittel

Die Prüfungen von ortsfesten Betriebsmitteln sind differenziert zu betrachten. Prüfungen an offensichtlich elektrischen Anlagen wie Schaltschränken oder Haupt- und Unterverteilern werden meist auch durchgeführt. Betroffen sind vor allem an Anlagen aus den „Nicht-Elektro-Gewerken“. Lüftungsanlagen, Kältemaschinen oder elektrische Antriebe müssen nämlich ebenfalls entsprechend der BGV A3 überprüft werden. Auf Nachfrage, warum die Prüfung nicht gemacht wird, ist die häufigste Antwort, dass die Anlage gewartet wird und deshalb die BGV A3 Prüfung nicht erforderlich sei. Eine bloße Wartungsleistung ersetzt jedoch die vorgeschriebene BGV A3 Prüfung nicht! Die vorgeschriebenen Messungen werden im Rahmen der Wartung nicht oder nur teilweise durchgeführt. Bereits vor einiger Zeit hat der TÜV dies erkannt und eigene Mitarbeiter weitergebildet, die jetzt im Rahmen von speziell Aufzugsprüfungen die BGV A3-Prüfung mitmachen. Selbstverständlich muss diese Zusatzleistung auch zusätzlich vergütet werden, wird aber vom TÜV auch entsprechend mit den erforderlichen Prüfnachweisen und Messprotokollen dokumentiert.

Doch was ist mit den oben angesprochenen Lüftungsanlagen, Kältemaschinen oder elektrischen Antrieben? Für diese Anlagen schreibt die BGV A3 zwar konkrete Prüfintervalle vor, nennt aber gleichzeitig eine Alternative.

Mögliche „Alternativen“ zur Prüfung 

„Die Forderungen sind für ortsfeste elektrische Anlagen und Betriebsmittel z.B. auch erfüllt, wenn diese von einer Elektrofachkraft ständig überwacht werden. Ortsfeste elektrische Anlagen und Betriebsmittel gelten als ständig überwacht, wenn sie kontinuierlich

  • von Elektrofachkräften instand gehalten und
  • durch messtechnische Maßnahmen im Rahmen des Betreibens (z.B. Überwachen des Isolationswiderstandes) geprüft werden.“

Die Alternative muss also ebenfalls durch messtechnische Maßnahmen und dabei entstehende Messprotokolle im Schadensfall vorlegbare Dokumente als Ergebnis „produzieren“.

Unglaublich: fehlende Antworten der Branche auf die „Lücken“

Eigentlich wäre eine Welle an Prüfungen notwendig, um die „Lücken“ zu schließen. AIS Management hat die großen integrierten FM-Dienstleister gefragt, wie diese das Problem lösen. Antworten blieben bisher aus. Verwunderlich, weil erstens Risiken bestehen, von denen Auftraggeber häufig nichts wissen, und zweitens die Dienstleister Potenzial an Zusatzgeschäft brachliegen lassen.

Mit Blick auf die große Anzahl betroffener, nicht gesetzeskonform geprüfter Anlagen ist Fakt: Eigentümer, Betreiber und gesamtverantwortliche Dienstleister dürften eigentlich nicht ruhig schlafen! Dabei geht es nicht nur um potentielle, aus dem Versicherungsschutz fallende Sachschäden, sondern auch um den ethisch gebotenen Schutz der Menschen, die bei einem Unfall leiden würden.

PS: Wissen Sie, ob eine Schreibtischlampe auch einer BGV A3-Prüfung unterzogen werden muss?

 

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