EU-Richtlinienvorschlag: Trennung Prüfung und Beratung – Interessenskonflikte auch in Real Estate-Branche

Wie jetzt bekannt geworden, sieht ein Vorschlag des EU-Kommissars Michel Barnier zur Neuregelung des europäischen Wirtschaftsprüfermarktes vor, dass die großen Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen bei einem Mandanten nicht mehr zugleich prüfen und beraten dürfen. Offiziell sollen die neuen Regeln im November dieses Jahres veröffentlicht werden. Zur Entscheidung zwischen Prüfung und Beratung würden gemäß Vorschlag die WPs gezwungen, die in der EU mehr als 1,5 Mrd. Euro mit Prüfung umsetzen, davon mehr als ein Drittel mit kapitalmarktrelevanten Unternehmen. Betroffen wären also vor allem die sogenannten großen Vier: Ernst & Young, Deloitte, KPMG und PwC. Anlass für die – weitere einschneidende Änderungen enthaltene – Richtlinie: Die aktuelle Krise, nach Ansicht der Kommission Beweis, dass das derzeitige WP-Modell nicht funktioniert. Die Unterbindung der Doppelfunktion bei ein und demselben Unternehmen soll Interessenskonflikte vermeiden und damit mehr Unabhängigkeit der Prüfer bewirken. In den USA verbietet der Sarbanes-Oxley Act schon seit 2002 die Erbringung prüfungsnaher Dienstleistungen bzw. Nicht-Prüfungsleistungen neben der Abschlussprüfung durch den gewählten Abschlussprüfer. Kann auch die Immobilienwirtschaft davon lernen? Ja. Qualität und Vertrauenswürdigkeit, heute mehr denn je Brennpunkte und knappe Güter, werden bereits im Auftrags- und Rollenmodell angelegt. Es lohnt, sich vor der Entscheidung für einen Geschäftspartner zu verdeutlichen: Welche Firma macht was mit welchem Interesse? Was ist im Kern Geschäftsmodell des Leistungsanbieters und was bedeutet das für den Auftraggeber? Wie positioniert sich der Anbieter? Für welche Seiten arbeitet er, wie neutral ist er? Dies betrifft sowohl die Mandatierung von Asset, Property oder Facility Managern und Maklern als auch die Wahl des Beraters. Systemimmanente Interessenskonflikte in Auftrags- und Rollenmodellen sollten vermieden werden bzw. brauchen, sofern nicht vermeidbar, professionelle Steuerung und Sanktionsmechanismen. Damit der Bock als Gärtner nicht den Bock macht.

 

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