FM-Markt: wenige große Generalanbieter, im Übrigen nur mehr sehr kleine Spezialisten – 4: Fazit

Die Prognose, im Facility Management würden absehbar wenige große Generalanbieter dominieren, ist also eine fragliche. Schon gar nicht ist eine derartige Polarisierung des Anbietermarkts mit „nur mehr Nischen für kleine Spezialisten“ zwangsläufig! Wahrscheinlicher ist eine differenzierte Entwicklung:

§  Platzhirsche werden primär im institutionellen Asset Management und CREM weiterhin Geschäft an sich ziehen und auch wachsen – durch Zukäufe von Spezialisten, Umsatz, Wettbewerbern oder Übernahmen aus Outsourcing. Wie viele Platzhirsche, wie viel Wachstum ist der Blick in die Glaskugel.

§  BOO- und BOOT-Mandate (Build Own Operate Transfer), also vor allem große Infrastrukturprojekte, werden aufgrund des notwendigen Know-hows bei Construction, Risikomanagement und Finanzierung den integrierten Bau- und Dienstleistungskonzernen vorbehalten bleiben. Das ist jedoch schon heute so.

§  Ob die aktuellen Branchenriesen auch zukünftig den Anbietermarkt anführen werden, ist nicht gesichert. Das hängt vor allem davon ab, inwieweit FM weiter als strategisches Geschäftsfeld gesehen wird. Ebenso ist von Bedeutung, wie schnell und wie gut es den Unternehmen gelingt, die aus den Firmen- und Mandatszukäufen der letzten Jahre (z.B. DeTe Immobilien durch Strabag, M+W Zander D.I.B Facility Management durch HSG) resultierenden organisatorischen, personellen und kulturellen Schwierigkeiten hinter sich zu lassen. Welche Konsequenzen es für FM-Geschäft schließlich hat, wenn große Player selbst Übernahmeziel werden – Beispiel die sich abzeichnende Übernahme von Hochtief durch ACS – muss abgewartet werden.

§  Solide aufgestellten Mittelständlern steht die FM-Welt weiterhin offen, ohne Selbständigkeit aufgeben zu müssen. Auch substantielles Wachstum – organisch oder durch Zukäufe – ist keinesfalls ausgeschlossen.

§  Newcomer, auch solche, die originär nicht aus der FM-Branche kommen, stoßen vermutlich hinzu, wenn im FM die Gewinnaussichten attraktiv sind. Markteintrittshürden gibt es kaum.

§  Änderungen in Lohnstrukturen und Unzufriedenheit bei Auftraggebern mit ihren FM-Dienstleistern werden auf Steuerungsebene in manchen Fällen Insourcing nach sich ziehen. Ggf. entstehen hier sogar gänzlich neue Leistungsmodelle, Rollen und Anbieter.

Ist das jetzt gut oder schlecht? Zumindest spannender, als ein aufgeteilter, statischer Markt. Und aus Sicht der Auftraggeber und des Einkaufs von FM definitiv wünschenswert. In einem engen Oligopol, so lehrt die Volkswirtschaft, sinkt zumeist die Wettbewerbsintensität. Fortschritt braucht aber die schöpferische Zerstörung des Wettbewerbs und das Unternehmertum im Sinne Joseph Schumpeters und Friedrich Hayeks. Die Kunst ist letztendlich, Generallösungen zu ermöglichen, ohne auf die Vorteile von Spezialistentum zu verzichten. Die Schlacht wird also durch gutes Management entschieden. Mögen sich die Besten durchsetzen. Davon haben dann alle – Anbieter, Auftraggeber, FM-Kunden – am meisten.

 
  1. John-Paul Herrmann schrieb:

    Eine interessante Serie! Gerne mehr davon!Jetzt bin ich aber auf die Reaktionen aus der Branche gespannt.

Hinterlassen Sie einen Kommentar...

Impressum