Frauen in der Immobilienwirtschaft – Wie sieht die Realität aus? Eine Studie gibt erste Antworten…

In der Bundesregierung ist eine gesetzliche Frauenquote für Führungskräfte umstritten, und wie eine Studie der IVG Research erstmals zeigt, auch in der Immobilienwirtschaft. Trotz aller Kritik und Zweifel ist klar, eine gesetzliche Quote würde dafür sorgen, dass sich die Rahmenbedingungen am Arbeitsplatz verändern, beispielsweise durch eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, durch flexiblere Arbeitszeiten oder durch verstärkte Fortbildungsmaßnahmen. Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) geht noch weiter und stellt die These auf, dass letztlich nur mit einer gesetzlichen Quote der nötige Druck auf die Wirtschaft erzeugt würde Frauen einzustellen und zu fördern. Ist das so? Und wie stellt sich die Situation in der Immobilienwirtschaft dar?

Eine aktuelle Studie von IVG Research in Kooperation mit dem Verein Frauen in der Immobilienwirtschaft, vorgestellt auf der EXPO Real 2012 in München, bestätigt dies zum Teil. Durchgeführt wurden zwei getrennte Umfragen unter Personalverantwortlichen als Unternehmensvertreter und weiblichen Beschäftigten der Immobilienbranche. Insgesamt haben sich 57 Unternehmensvertreter und 367 weibliche Beschäftigte an der Umfrage beteiligt. Ziel war es, erstmals eine auf Zahlen basierende Diskussionsgrundlage zu schaffen und somit eine Bestandsaufnahme der Arbeitswelt von Frauen in der Immobilienwirtschaft aufzuzeigen.

Quelle: Konii.de

Laut Umfrage stellen Frauen knapp

die Hälfte der Beschäftigten in der Immobilienwirtschaft (45,8% aus Unternehmenssicht, 47,8% aus Mitarbeitersicht). Im Top-Management besetzen sie jedoch nur knapp jede zehnte Stelle. Ein Fall für die Quote? Offenbar nein, denn die Frauen selbst sprechen sich mehrheitlich dagegen aus. Oft wird angeführt, dass „Frau“ nicht über „Muss-Quote“ eingestellt oder befördert werden möchte, sondern ausschließlich auf Grund ihrer Qualifikation. Anderes würde sie nicht unbedingt gleichstellen, sondern schlimmstenfalls einen Stempel als „Quotenfrau“ aufdrücken.

Das Thema Frauenförderung hält gegen alle Erwartungen nur verhalten Einzug in den Unternehmen der Immobilienbranche. Frauenförderung – was ist das? In den Umfrageergebnissen wird am allerhäufigsten Teilzeitarbeit genannt, es folgen flexible Arbeitszeiten und Home-Office-Angebote. Handelt es sich hierbei wirklich um spezielle frauenspezifische Maßnahmen? In der Tat könnte man unterstellen, dass diese Angebote lediglich eine größere Vereinbarkeit von Beruf und Familie herstellen und sich damit natürlich auch an die arbeitenden Väter richten. Mentoringprogramme oder gar die spezielle Förderung von Frauen auf Führungspositionen hin bieten nur wenige Unternehmen an. Laut IVG-Umfrage arbeiten 82% der Frauen in Vollzeit und 40% der Befragten haben Kinder, unabhängig der Hierarchieebene im Unternehmen. Frauen in höheren Ebenen haben sogar häufiger Kinder. Ob sich diese Frauen Teilzeitlösungen wünschen, bleibt unbeantwortet.

Nur 12% der Personalverantwortlichen gaben an, dass das Thema Frauenförderung ein Teil der Unternehmensstrategie ist. Die Förderung von Frauen scheint sogar tendenziell auf dem Rückzug zu sein. Dies wird durch eine im Frühjahr veröffentlichte branchenübergreifende Umfrage der Kölner Unternehmensberatung Synergy Consult gestärkt. Demnach empfanden im Juli 2012 nur noch 62,5% der Befragten ihr Unternehmen als frauenfreundlich – im März 2011 waren es noch knapp 68% gewesen. 53% gaben an, dass sich das Topmanagement ihres Unternehmens verpflichtet habe, Frauen zu fördern – 2011 waren es noch knapp 57%.

Zum viel diskutierten Themenblock Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen gibt die Studie ein differenziertes Bild, welches aufgrund der kleinen Stichprobe zudem nicht repräsentativ ist. Die meisten Frauen arbeiten in der Ebene der hochqualifizierten Fachangestellten, in der Hierarchie der Unternehmen noch unter dem Mittelmanagement, und gaben ein Gehalt zwischen 50.000€ und 100.000€ an. Im Topmanagement zeigen die Gehälter eine hohe Bandbreite auf, es sind alle Gehaltsklassen vertreten. Interessanterweise kommt die Studie zu dem Schluss, dass Frauen mit Kindern vergleichbare Verdienstmöglichkeiten wie kinderlose Frauen aufweisen.

Quelle: Gerd Altmann/AllSilhouettes.com / pixelio.de

Glaubt man den Ergebnissen, dann gehen Chancengleichheit und Geschlechtergerechtigkeit trotz starker öffentlicher Debatte zurück. Kann es sein, dass durch erhöhte Sensibilität für Themen wie Frauenquote, Kita-Ausbau und Vereinbarkeit von Familie und Beruf die Unternehmen kritischer bewertet werden?

Die aktuelle Marktstudie von IVG Research in Kooperation mit dem Verein Frauen in der Immobilienwirtschaft „Immobilienfrauen 2012 – Zahlen, Daten, Fakten“ liefert ein Datengerüst, kein ganzheitliches Bild – auch keine Trends, lediglich eine Momentaufnahme, ein Stimmungsbild. Um das Bild zu vervollständigen, freuen wir uns auf eine rege Diskussion mit Ihnen.

Autoren: Martina Chrissochou & Vanessa Zeike

 
  1. Tobias WagnerTobias Wagner schrieb:

    Der (Beinahe-)Ausschluss eines ganzen Geschlechts durch das andere ist nicht nur moralisch fragwürdig, sondern sowohl für einzelne Unternehmen als auch makroökonomisch schlichtweg wirtschaftlich unvernünftig.

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