HOCHTIEF trennt sich von Facility und Property Management: Folgerungen

Trend zum integrierten Bau- und Dienstleistungskonzern gebrochen?

Da war und ist es doch beinahe einhellige Markt- und Studienmeinung, im Facility Management würden absehbar nur sehr wenige große Generalanbieter dominieren. Das Modell der immer weiter vertikal und horizontal integrierten Bau- und Dienstleistungskonzerne sei das sich durchsetzende Modell der Zukunft. Im Übrigen würde es lediglich Nischen für kleine Spezialisten geben. Aha! Der Logik dieser – per se grundsätzlich fraglichen – Prognose ist Marcelino Fernández Verdes, der neue starke Vorstand des Konzerns HOCHTIEF, prominentes Mitglied im kleinen Club der Großen, nun nicht mehr gefolgt: Der Konzern hat seine Angebotspalette reduziert und die Einheit Solutions, also das Servicegeschäft für rund 250 Millionen Euro an die Spie-Gruppe verkauft. Mit dem Neuerwerb will das französische Unternehmen sein Geschäft in Deutschland deutlich ausbauen.

Hat der vom spanischen Großaktionär ACS installierte CEO Verdes die Prognosen nicht gelesen? Ist er gar ein Branchenrevoluzzer? Wohl kaum. Diente der Verkauf ausschließlich der Entschuldung? Laut Management nicht. Die Begründungen für den Abstoß der HOCHTIEF Solutions und den begonnenen Konzernumbau:

  • Wiederbesinnung auf das Kerngeschäft Infrastruktur
  • zu geringe Margen im Service

Konträre  Ansätze bei Mitbewerbern!

Damit geht HOCHTIEF einen bewusst anderen Weg als z.B. die großen Mitbewerber STRABAG und Bilfinger SE. Bilfinger hat erst unlängst seine Strategie One („alle Leistungen aus einer Hand“) verkündet. Offensichtlich sieht HOCHTIEF weniger Gemeinsamkeiten und Vorteile in der Verbindung Bau und Betrieb als die beiden Konkurrenten.

Fragen drängen sich auf …

  • Aus Geschäftssicht: Warum schätzen Bilfinger, STRABAG und HOCHTIEF die mit den Services verbundenen Potentiale so unterschiedlich ein?
  • Aus Kundensicht: Gute Verträge sehen für die Auftraggeber ein Sonderkündigungsrecht vor, wechselt beim Auftragnehmer der Eigentümer bzw. ändert sich dort der Kontrolleinfluss maßgeblich. Wie sollen die Kunden von HOCHTIEF Solutions reagieren? Beinahe jeder Zweite der 10.000 deutschen HOCHTIEF-Beschäftigen ist von dem Arbeitgeberwechsel betroffen. Dies dürfte für Unruhe sorgen. Auch hat Spie sicherlich nicht mit dem Ziel investiert, die kritisierten niedrigen Margen zu halten. Wie zieht Spie die Kunden ins Vertrauen, dass der Eigentümerwechsel für diese keine negativen Folgen hat?
  • Aus Wettbewerbssicht: Wie verändert sich durch den Einstieg von Spie der Markt?
  • Aus Spie-Sicht: Wie gelingt es, die erworbene Solutions zum Vorteile aller zu integrieren? Was muss anders und besser gemacht werden? Eher der Regelfall als die Ausnahme war im FM-Markt bislang, dass Workout, Konsolidierung und Professionalisierung nach Übernahmen unterschätzt wurden und bedingt erfolgreich, schon gar nicht kurzfristig abgeschlossen wurden.

Dienstleistersteuerung, Lieferantenmanagement, Risikovorsorge Gebot der Stunde

Ob eine Vertragsausstiegsklausel gezogen werden oder mit dem Spie-Konzern die Zukunft gestaltet werden soll – in beiden Fällen sind die HOCHTIEF Solutions-Kunden aktiv gefordert. Dies gilt sowohl für die Kunden aus dem CREM als auch aus dem Asset Management. Was müssen die Kunden jetzt besonders intensiv und gut bewerkstelligen? Dienstleistersteuerung, Lieferantenmanagement, Risikovorsorge und im Fall des Falles Ausphasen des bisherigen Dienstleisters und Implementierung neuer Partner gehören ganz hoch auf die Tagesordnung. Positiv gesehen: Für den einen oder anderen Auftraggeber ist dies nicht zuletzt auch der richtige Anlass, in der Vergangenheit liegen gelassene Aufgaben in der Professionalisierung von  Facility Management und Asset und Property Management anzupacken und sich auch selbst strukturell und methodisch zu verbessern. Selbstredend, dass AIS Management da im Consulting gerne hilft.

Eine Anmerkung zum Schluss: Immerhin erfreulich wäre, wenn der mit der Übernahme entstandene neue Akteur einen Beitrag zur gerne von FM-Dienstleistern propagierten, letztendlich noch zu beweisenden Cross Border-Kompetenz leisten würde.

 

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