Internationaler Einkauf von FM: Im Westen nichts Neues. Auch im Osten nicht.

Studie zur Positionierung internationaler FM-Dienstleister: wichtiges Thema, kaum neue Erkenntnisse

Der Unternehmensberater ICME verfolgte mit seiner aktuellen, „weltweiten Online-Umfrage unter mehreren 100 führenden FM-Dienstleister in über 25 Ländern“ das Ziel, das „Spannungsfeld zwischen Erwartungen international agierender Corporates und Lösungsansätzen der FM-Dienstleister auf den einzelnen Märkten zu analysieren“ (Eigenwerbung). Diesem ehrenwerten Anspruch ist die Studie nur begrenzt gerecht geworden, schon alleine deshalb, weil Corporates gar nicht befragt wurden. Die Feststellungen, Märkte entwickelten sich heterogen und Erwartungen der Corporates würden von Dienstleistern nur partiell erfüllt, bestätigen zumeist Bekanntes. Schade, dass auch die Schlussfolgerung der Berater, internationales FM „müsse strategisch geplant und länderspezifischen Gegebenheiten Rechnung getragen werden“, nicht wirklich mehr Einsicht schafft. Den Autoren anzurechnen ist jedoch, dass ein relevantes, in den Einkaufsabteilungen multinationaler Unternehmen diskutiertes FM-Thema adressiert wurde.

Die Frage nach dem Status bei internationalem Angebot und Einkauf von FM lohnt genauerer Analyse. Wer erwartet wirklich internationale FM-Lösungen? Und warum? Was ist überhaupt international zu leisten? Und unter welchen Voraussetzungen?

AIS-Thesen und Erfahrungen

§  Cross border-FM ist vor allem ein Wunschkind von Einkäufern, selten der in der Category FM versierten Einkäufer. Ein häufig genanntes Motiv lautet Schnittstellenreduktion. Ein weiteres, irriges ist, immer größere Lose würden Kosten immer weiter senken. Die aktuelle Gegenbewegung beim FM-Einkauf: Beauftragung von regionalen Champions mit Vor-Ort-Expertise, lokaler Infrastruktur, geringen Wege-, Ramp up- und Rüstkosten.

§  Infrastrukturelle und technisches Services, verantwortlich für den Löwenanteil der FM-Kosten und im Wesentlichen on site-gebundene, operative Lohnleistungen, müssen vor Ort aufgebaut werden und sind, ihrem Wesen geschuldet, nicht exportierbar. Ganz anders dagegen das Management dieser Leistungen, also Facility Management im eigentlichen Wortsinne – daran krankt es leider nicht selten noch national, auch in sogenannten reifen FM-Märkten.

§  Umfassendes, internationales Outsourcing des FM – das aus dem angelsächsischen getriebene, sogenannte ISP-Modell – bringt ohne klares Leistungsbild, den FM-Dienstleister disziplinierende Vergütungs- und Anreizsysteme sowie starke Vertragsstrukturen im Sinne des Auftraggebers erhebliches Ungemach. Der Dienstleister löst selten und schon gar nicht ungeführt, was der Auftraggeber selbst nicht geschafft hat.

§  In Ländern, in denen Energie- und Medienkosten nur eine untergeordnete Rolle spielen, Lohnleistung vergleichsweise billig zu haben und hochverfügbar ist und Immobilien aufgrund entsprechender Marktdynamik nicht auf lange Jahre wie errichtet bleiben, ist FM (noch) zu wenig bedeutsam, um mit Professionalisierung punkten zu können. Entscheidende Flächenargumente sind zumeist andere: Architektur und hochwertige Services für den Menschen bei Wissensarbeitern, Lage (was auch sonst), logistische Anbindung und Versorgungssicherheit in der Industrie.

§  Auftraggeber könnten dem Defizit grenzüberschreitender und nationaler FM-Angebote aktiv begegnen, in dem Dienstleister international bzw. in strukturschwachen FM-Märkten aufgebaut werden. Das Zauberwort lautet Lieferantentwicklung und gehört im Kerngeschäft der Auftraggeber in der Regel zum Standardrepertoire.

FM-Märkte als Spiegelbild der Baustellen bei Auftraggebern

In der Realität wird internationales FM auch in naher Zukunft bedauernswerterweise eher Ausnahme als Selbstverständlichkeit sein. Letztendlich spiegelt sich in fehlender Internationalität der FM-Anbieter die fehlende Internationalität des CREM der ansonsten so international agierenden Konzerne und Unternehmen. Die intern bei Corporates häufig noch zu lösenden Hausaufgaben sind: Harmonisierung von Service Levels, funktionslogische Abgrenzung von Eigen- und Fremdleistung, Ertüchtigung Shared Service bei FM und Einkauf, Stärkung Steuerungskompetenz und Qualitätscontrolling sowie übergeordnetes Flächenmanagement und Real Estate-Konzept.

Wo gibt es übrigens international Erfolgsgeschichten bei der Betreuung von Immobilien? Im Asset Management und, schon deutlich seltener, im Property Management.

Noch einmal zurück zur eingangs zitierten Studie – glasklar und dabei ganz nebenbei im Widerspruch zum eigenen Umfrageergebnis ist das Fazit: Da teilt uns der Berater dann mit, die Studie zeige, dass das von ICME entwickelte FM-Geschäftsmodell funktioniere und richtig sei. In diesem wird „ein globaler, strategischer Rahmen für internationales FM definiert, welcher an die jeweiligen Besonderheiten der Märkte angepasst werden muss“. Nur wenn diese Guideline adaptiert und übertragen würde, würde das zu Kundenzufriedenheit und einem Value Add für das Kerngeschäft durch FM führen.

Honi soit qui mal y pense!

 

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