Stellhebel im Energieeinkauf für die Metallbranche

Der vom Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit beauftragte Energiereport IV von 2005 zeigt, dass in der Industrie eine Verringerung des Endenergieverbrauchs um 7% bis 2030 erwartet wird, während der Stromverbrauch zwischen 2002 und 2030 um 10% ansteigen wird. Der Industriezweig Metallerzeugung spielt hier eine wichtige Rolle, da sein Produktionsvolumen in der Industrie einerseits unter 2% liegt, auf der anderen Seite aber mit 23% den höchsten Energieverbrauch in der Industrie verzeichnet und auch zukünftig an erster Stelle stehen wird. Die Autoren prognostizieren nur einen leicht rückläufigen Trend auf 20% Energieverbrauch im Jahr 2030. Ein Blick auf den spezifischen Stromverbrauch in der Industrie zeigt, dass die Branche der Metallerzeugung mit 12,1 PJ/Mrd. € in 1995 und prognostizierten 9,1 PJ/Mrd. € in 2030 an erster Stelle steht. Bei der Entwicklung der Stromkosten prognostiziert Statista ausgehend von 2010 einen nahezu 2,5-fachen Anstieg auf 2,9 Mrd. € in 2050 ohne Effizienzsteigerungen und lediglich 1,5-fachen Anstieg auf 1,8 Mrd. € in 2050, wenn Unternehmen der Metallindustrie Effizienzmaßnahmen ergreifen. Daraus resultiert die Frage, mit welchen Strategien diese Unternehmen die beiden Ziele (1) Minimierung der Energiekosten und (2) Optimierung der Energieeffizienz erreichen können.

Ein Stellhebel bei der Minimierung der Energiekosten ist neben der Reduzierung des Energieverbrauchs die Optimierung des Preises, zu dem ein Unternehmen Energie am Markt einkauft. Unsere Erfahrung zeigt, dass dieses Thema durch einen zentralen und gebündelten Energieeinkauf insbesondere in Großunternehmen institutionalisiert wird. Basierend auf dem Lastprofil eines Unternehmens werden die zukünftigen Verbräuche prognostiziert. Der Energieeinkauf steht dann vor der Herausforderung, ein dem Unternehmenskontext gerecht werdendes Beschaffungsmodell zu identifizieren bzw. zu entwickeln. Entscheidungsrelevante Parameter sind hierbei beispielsweise die Abnahmemenge (Volumenrisiko), das Lastprofil (Strukturrisiko), der Anteil der Energiekosten an den Gesamtkosten, vorhandenes Know-how im Unternehmen oder das monetäre Einsparpotenzial. Im konkreten Beispiel Stromeinkauf wird grundsätzlich zwischen vier verschiedenen Beschaffungsmodellen unterschieden: (1) Festpreismodell, (2) Indexpreismodell, (3) Tranchenbeschaffung und (4) strukturierte Strombeschaffung. Die Vor- und Nachteile dieser Beschaffungsmodelle sind unter anderem anhand der Anzahl Stromanbieter (einer versus mehrere) zur Abdeckung des Lastprofils, dem Strompreis (langfristiger Festpreis versus an Börsenindex (EEX) gekoppelter Preis), der Transparenz des Strompreises (niedrig versus hoch) und der Anpassungsmöglichkeit der Strommenge im Zeitverlauf (fix versus Tranchen) abzuwägen. Die Auflistung der genannten Kriterien zur Entwicklung eines Beschaffungsmodells ist nicht abschließend.

Findet die Institutionalisierung des Energieeinkaufs in den Unternehmen der Metallbranche außerhalb des Facility Managements statt, so bildet das Lastprofil die Schnittstelle zwischen den beiden Unternehmenseinheiten. Das bedeutet, dass in einem rollierenden Prozess das Beschaffungsmodell von Einkaufsseite und das Lastprofil durch das Facility Management harmonisiert werden müssen, um die Energiekosten langfristig zu senken und damit einen Beitrag zur Zielerreichung zu leisten.

Das zweite Ziel „Optimierung der Energieeffizienz“ ist dem Facility Management zuzuordnen. Wird in diesem Zusammenhang ein Energiemanagementsystem gemäß ISO 50001 eingeführt, so wird die Stelle eines Energiebeauftragten vorausgesetzt. Mehr dazu erfahren Sie im nächsten Blogartikel, in dem die Themen Energiemanagement und Zertifizierung von Energiemanagementsystemen fokussiert werden. Außerdem bieten wir zu diesen Themen kostenlose Webinare an: „Energiemanagement im Einkauf und FM in der Stahl- und Metallindustrie“ am 24.06.2014 und „Energiemanagement im Maschinenbau“ am 23.09.14. Ich freue mich auf Ihre Meinungen im Blog und die anschließenden Diskussionen in den Webinaren.

 

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