systemimmanenter Interessenkonflikt zwischen Auftraggebern und Anbietern von FM-Leistungen?

Facility Management-Dienstleister präsentieren sich in ihren Werbemitteln und bei Ausschreibungen in der Regel als Partner des Auftraggebers.

Ist der Dienstleister im Facility Management aber wirklich selbstverständlich und stets Treuhänder des Immobilieneigentümers? Besteht tatsächlich Interessensgleichheit zwischen Auftraggebern und Anbietern?

Betriebswirtschaftlicher Logik folgend, müssen beide um Gewinnmaximierung bemüht sein. Es gilt, das Verhältnis von Ertrag und Aufwand zu optimieren. Soweit so gleich. Der Unterschied beginnt beim wie: Investoren und Asset Manager profitieren im Immobilienbestand von hohen Mieten und niedrigen FM-Ausgaben – sowohl in der Eigentümersphäre als auch bei den auf die Mieter umlegbaren Kosten. Sind letztere niedrig, kann sich der Mieter bei gegebenem Gesamtbudget einen höheren Mietzins leisten. Auch im CREM gilt: ertragreicheres Kerngeschäft je geringer die FM-Kostenbelastung. Auftraggeberziel ist also nur das Notwendige im FM zu möglichst günstigen Konditionen. Beim Dienstleister wirkt sich dies genau umgekehrt aus: Je geringer beauftragtes Leistungsvolumen und Vergütung sind, desto weniger Gewinn. Der Dienstleister profitiert, vereinfacht gesprochen, von viel FM, ob sinnvoll oder nicht, hochpreisig abgerechnet, für das er möglichst wenig Aufwand betreiben muss. Durchaus legitim. These: Die originären Geschäftsmodelle stehen also in einem Spannungsverhältnis. Entspannend wäre, würde sich mehr FM auf der Ertragsseite bemerkbar machen, also investiv wirken. Sagt Ihnen das Ihr Dienstleister? Dann fragen Sie ihn doch mal: wie genau?

Bis Sie eine belastbare, nachrechenbare Antwort erhalten, gilt es, als Auftraggeber den wohlklingenden Begriff der Partnerschaft kritisch abzuklopfen. Und mit präzisen Leistungsbeschreibungen, starken Vertragspositionen, Qualitätscontrolling und Anreizsystemen den latenten Interessenskonflikt im täglichen Miteinander zu managen. Soweit möglich natürlich partnerschaftlich.

 

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